Das war am 8. November:
Klar, die Tour fand natürlich statt. Jede Tour findet statt - und wenn sie der Tourplaner eigenhändig solo fährt. Wir waren aber zu fünft mit drei BMWs, einem Japaner und einer zickigen Italienerin. Anfangs sah man zwar nicht viel, weil dicker Nebel im Märkischen Oderland waberte, aber dann sah man die volle Dosis DDR. Das fing schon vorm Bunker an, wo wir am NVA-Museum vorbeibrummten, kurz darauf an Spinnern, die am Wochenende in Tarnkleidung mit altem Militärschrott durch die Wälder fahren und immer noch nach Feinden suchen. Beim Bunker dann (10 EUR Eintritt wären OK, aber 10 EUR für die Fotoerlaubnis ist unverschämt) umgab uns dann artenreines DDR-Ambiente. Alles war stimmig: Elektolüfterheizung, dünne Bohnensuppe, ebenso dünner Blümchenkaffee, Geruch, wild gemusterte Resopaltische mit Plastikblumen (sorry, natürlich Plasteblumen) drauf, davor Stahlrohrstühle und rote Wimpelchen an der Wand mit den üblichen Losungen . Dann ging es vom tarnfarbenen Plattenbau in den Keller durch die 2 Tonnen schwere Tür. Gigantisch! Und alles wie neu. Was fehlte, war der Männerschweißgeruch, aber der Rest war noch da. So ganz nebenbei war es auch noch ein Computermuseum. Das abgeschlossene Sammelgebiet der Ostblock-IT vom PC bis zur mittleren Datentechnik war hier wohl vollzählig beieinander. Die Anlage muss man gesehen haben, auch wenn es manchmal schwer fiel, das erzählte widerspruchslos hinzunehmen. Es ist halt keine staatliche Einrichtung, sondern hat einen privaten, vielleicht auch etwas dubiosen Besitzer, der dort auch eine Schießanlage betreibt. Ich halte die alle für Militärverherrlicher und Gestrige. Anschließend düsten wir noch zu einem anderen öffentlich zugänglichen Militärgelände bei Mariental, auf dem Raketen mit Atomsprengköpfen stationiert waren. Heute toben sich dort die Dorfkids mit kernigen Zweitaktencrossern aus. Es war klasse, wie wir und mit Straßenmopeds durch den Tiefsand pflügten und die Kids mit Freundin hinten drauf die steilen, sandigen Hügel über den Bunkern raufschossen. War ‚ne gute Tour, Dirk! Es müssen nicht immer gleich 400km sein. Bei Kälte zumindest nicht.
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